Im ersten Teil dieser Reise stand ich noch in Athen. Kamera in der Hand, Vorfreude im Gepäck und dieses schöne Gefühl, dass gleich etwas beginnt. Zwei Tage Stadt, dann Piräus, dann das Meer. So war der Plan.  ( Zur Erinnerung)

Und Pläne sind auf Reisen ja oft nur der charmante Vorschlag, den man dem Leben macht.

Eigentlich sollte es eine elegante kleine Segelreise werden. Drei Tage Schiff, etwas Sonne und ein bisschen Wind. Schöne Inseln, gute Gespräche und das Gefühl, lässig über die Ägäis zu gleiten.

Dann kam Griechenland auf die Idee, kurz den Abenteuerregler hochzudrehen.

Erst 25 Grad und Sonne – ein Athen wie aus dem Reiseprospekt. Dann der 1. Mai: Wind, Kälte und ein Wetterumschwung, bei dem ich mich fragte, ob irgendwo jemand heimlich den falschen Kontinent eingeschaltet hatte. In Griechenland war an diesem Wochenende sogar von Schnee die Rede.

Indiana Jones hätte den Hut festgehalten. Ich zog die Jacke zu und ging an Bord der Running on Waves.

Und genau da begann die eigentliche Geschichte.

Denn manchmal zeigt sich der Charakter einer Reise nicht dann, wenn alles glatt läuft. Manchmal zeigt er sich, wenn der Wind auffrischt, die Frisur kapituliert und ein Schiff plötzlich mehr ist als nur ein schönes Motiv im Hafen.

Die Running on Waves wirkte vom ersten Moment an nicht wie ein klassisches Kreuzfahrtschiff. Sie fühlte sich an wie eine private Segelyacht, auf der man für ein paar Tage mitreisen durfte. Ein Dreimaster mit Holz, Leinen, Segeln, einer kuschligen Kabine, gutem Essen, einer unglaublich aufmerksamen Crew und diesem Gefühl, dem Meer wirklich nah zu sein.

Man betrat das Deck, schaute auf Leinen, Holz und Segel und dachte: Ja, so fühlt sich Abenteuer an. Mitten auf dem Meer, mit gutem Essen, einer warmen Kabine und dem Wind im Gesicht.

Dieses fast private Gefühl war vielleicht einer der größten Reize dieses Schiffes. Kein großes Gewimmel, kein anonymes Kommen und Gehen, sondern ein Dreimaster, der sich für ein paar Tage wie ein eigener kleiner Kosmos anfühlte. Man stand an Deck, sah die Segel über sich, spürte die Bewegung des Schiffes und hatte für einen Moment das Gefühl, nicht einfach Gast zu sein, sondern Teil dieser kleinen Welt auf See.

Dazu kam eine Crew, die diese Atmosphäre trug – aufmerksam und mit diesem feinen Gespür, das Reisen leicht macht. Es waren die guten Geister an Bord. Menschen, die vieles möglich machten, bevor man es überhaupt ausgesprochen hatte. Ein Kaffee im richtigen Moment, ein freundlicher Blick, eine helfende Hand – und immer wieder ein gedeckter Tisch.

Diese Crew sorgte dafür, dass aus einem schönen Schiff dieses echte Erlebnis wurde.

Kaum waren wir aus dem Hafen, wurden die Segel gesetzt. Der Motor schwieg. Das Schiff schwebte über den Wellen. Athen verschwand hinter uns, die Running on Waves nahm weiter Fahrt auf, und ich stand an Deck mit diesem breiten inneren Grinsen, das man bekommt, wenn alles noch besser wird als gedacht.

Das war einer dieser Momente, in denen man nicht viel erklären muss. Wind, Wasser, Segel, Horizont. Mehr braucht es manchmal nicht.

Die Insel Poros war unser erstes Ziel am nächsten Tag. Wir liefen hinauf zum Clock Tower, weiter durch die Gassen, weg vom ersten Hafenglanz hinein in den Alltag der Insel. Dort oben, zwischen Mauern und Ausblicken, zeigte Poros seine echte Seite – die, für die man gerne ein paar Stufen steigt.

Ein Stück echtes Griechenland.

Gerade bei diesen Landgängen zeigte sich, wie angenehm die Größe der Running on Waves war. Das Schiff war überschaubar genug, um beweglich zu bleiben, und mit den motorisierten Tenderbooten kamen wir schnell dorthin, wo der Ausflug begann.

Man musste nicht starr mit der Gruppe laufen, wenn man lieber seinen eigenen Weg suchte. Treffpunkt vereinbaren, eine Uhrzeit ausmachen – und schon entstand an Land ein sehr freies Gefühl. Für mich ist das ein wichtiger Teil dieser besonderen Reisequalität: Man reist gemeinsam und kann sich trotzdem privat fühlen.

Dann entschied das Wetter, die Geschichte weiterzuschreiben.

Monemvasia rief.

Also setzte die Running on Waves am späten Abend wieder Segel und nahm Kurs durch die Nacht. Das klang romantisch. War es auch. Es war aber auch dieser Moment, in dem man merkte, dass ein Segelschiff kein dekorativer Hintergrund ist. Es lebt, arbeitet und trägt dich.

Am Morgen standen noch Segel. Wir schaukelten gemütlich über die Wellen, der Himmel war blau, kleine Wolken zogen mit uns. Ich habe in diesem Moment kein Museum und auch keinen weiteren Programmpunkt gebraucht. Ein Schiff unter Segeln reichte völlig aus, um diese Reise einzigartig werden zu lassen.

Wir gingen am Nachmittag an Land. Monemvasia empfing uns mit Regen. Der Felsen lag vor uns wie eine mittelalterliche Filmkulisse, irgendwo zwischen Rittergeschichte und nassem Kopfsteinpflaster. Wir blieben im unteren Ortskern, tranken Tee und Kaffee, warteten einen Moment und bekamen dann unser Geschenk: Die meisten Besucher verschwanden.

Die Gassen leerten sich. Die Steine glänzten. Die Mauern wurden einsam.

Der Ort gehörte uns.

Für einen Fotografen war das pures Gold. Keine Postkarte und keine perfekte Sonnenuntergangsinszenierung, sondern Atmosphäre: nasse Steine, leise Schritte durch alte Gassen, Regenlicht.

Monemvasia zeigte seine ruhige Seite. Die mit ganz viel Charakter.

Vielleicht war genau das der Moment, in dem mir klar wurde, warum diese Reise trotz Wetter so stark war. Oder gerade deswegen. Sonne macht vieles schön. Regen macht manches ehrlich. Und wenn ein Ort wie Monemvasia im nassen Licht plötzlich fast leer vor einem liegt, dann steht man nicht mehr vor einer Kulisse. Dann steht man mitten in einer Geschichte.

Zurück an Bord wurde aus dem Abenteuer wieder Schiffsgemeinschaft: Abendessen, Gespräche, letzte Blicke über Deck.

Die Running on Waves hatte uns in kurzer Zeit ziemlich viel gegeben: Athen, Poros, Nachtfahrt, Monemvasia, Wind, Wetter – und dieses seltene Gefühl, wirklich unterwegs zu sein.

Und trotzdem blieb da noch etwas offen.

An Bord gab es nämlich auch Wassersportmöglichkeiten und Fahrräder, die bei passendem Wetter ganz neue Spielräume eröffnen. Genau diese Möglichkeiten konnten wir auf unserer Reise wetterbedingt kaum nutzen. Für mich ist das kein Makel an dieser Reise. Es ist eher eine Einladung.

Ein Grund, wiederzukommen.

Denn wenn dieses Schiff schon bei Wind, Regen und kühlem Wetter so viel Freude macht, wie stark muss es erst sein, wenn Meer, Sonne, Badebuchten und kleine Entdeckungen mit dem Fahrrad beim Landgang zusammenspielen?

Am nächsten Morgen lag Piräus wieder vor uns. Wir waren zurück. Ein letztes Frühstück an Bord. Der Flieger ging erst am Abend – genug Zeit, um noch einmal durch Athen zu laufen und innerlich weiter auf dem Schiff zu bleiben.

Denn genau das macht diese Reiseform aus: Man verlässt das Schiff, aber das Schiff reist noch ein Stück mit.

Die Running on Waves ist eine Einladung an Menschen, die das Meer spüren wollen. Für Freunde, Familien, kleine Gruppen oder besondere Anlässe kann dieses Schiff zu einer eigenen kleinen Bühne werden. Man kann es im Kojencharter individuell buchen, mit einer Gruppe erleben und daraus ein gemeinsames Abenteuer machen.

Für mich ist es eine kleine Perle unter Segeln. Persönlich und besonders. Ein Dreimaster mit Seele, getragen von einer Crew, die diesen Ort auf dem Wasser mit Leben füllt.

Und wer glaubt, Segeln sei nur etwas für alte Seebären mit wettergegerbtem Blick, dem sei gesagt:

Eine warme Jacke reicht. Ein bisschen Neugier hilft. Der Rest kommt mit dem Wind.

Mein kleines Fazit

Ich hatte mir eine schöne Segelreise vorgestellt. Bekommen habe ich eine Geschichte.

Eine mit Wind, kalten Fingern, nassen Steinen, leeren Gassen, gutem Essen, einer starken Crew und einem Schiff, das sich nicht wie ein Transportmittel anfühlte, sondern wie ein eigener kleiner Reisegefährte.

Genau das ist die beste Art zu reisen: mit einer Idee losfahren und dann zulassen, dass Wind und Wetter daraus etwas Eigenes machen. Die Running on Waves kann das. Und sie macht es mit ziemlich viel Charme.