Warum ein guter Workshop mehr sein darf als ein perfektes Fotoset und weshalb mich die Ergebnisse meiner Teilnehmer in Nürnberg begeistert haben.

Vier Stunden Zeit, drei Models und ein ziemlich ambitionierter Plan: Mehr als 30 Jahre Erfahrung aus der Studio- und Peoplefotografie in einen einzigen Workshop packen und dabei möglichst viel von dem weitergeben, was ich in dieser Zeit über Menschen, Bilder und die Kommunikation vor der Kamera gelernt habe.

Das war meine persönliche Herausforderung auf der Imaging World 2026 in Nürnberg.

Ursprünglich war ich mit drei ganz unterschiedlichen Workshopkonzepten angetreten. Es ging um authentische Porträts, den Perspektivwechsel vor und hinter der Kamera und um cineastische Peoplefotografie, bei der Bilder kleine Geschichten erzählen. Drei Themen, die auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, im Kern aber unglaublich viel miteinander zu tun haben.

Letztendlich wurde es ein Workshop, der am Freitag, dem 2. Oktober, stattfand. Und rückblickend kann ich sagen: Diese vier Stunden hatten es in sich.

Ein Workshop, bei dem die Teilnehmer selbst arbeiten mussten

Wer zu einem Fotoworkshop auf eine Messe kommt, hat häufig eine gewisse Vorstellung davon, was ihn erwartet. Da stehen Models vor einem vorbereiteten Hintergrund, das Licht ist eingerichtet, der Referent erklärt ein paar Einstellungen und anschließend darf jeder einmal fotografieren.

Das kann durchaus Spaß machen und schöne Bilder hervorbringen.

Ich wollte allerdings etwas anderes.

Mein Ansatz war, den Teilnehmern einen Einblick in die Arbeit zu geben, die normalerweise stattfindet, bevor überhaupt das erste Bild entsteht. Denn gerade in der Peoplefotografie gibt es eine Fähigkeit, die aus meiner Sicht viel entscheidender ist als die Frage nach Kamera, Objektiv oder Beleuchtung: Wie gehe ich mit dem Menschen vor meiner Kamera um?

Wie schaffe ich Vertrauen? Wie leite ich jemanden an, ohne ihn in eine unnatürliche Pose zu drängen? Wie entsteht Ausdruck? Und wie bringe ich meine eigene Bildidee so verständlich rüber, dass mein Gegenüber sie auch umsetzen kann?

Deshalb gab es bei uns weder ein fertig aufgebautes Fotoset noch einen sorgfältig ausgeleuchteten Hintergrund oder eine Bildvorlage, die einfach nachfotografiert werden sollte.

Wir hatten Raum, vorhandenes Licht, drei Models und jede Menge Möglichkeiten.

Und dann hieß es: miteinander reden, ausprobieren, beobachten, verändern und sich das eigene Bild tatsächlich erarbeiten.

Fotografieren beginnt lange vor dem Auslösen

In meinem Studio habe ich über die vergangenen Jahrzehnte mit den unterschiedlichsten Menschen gearbeitet. Mit professionellen Models ebenso wie mit Menschen, die zum ersten Mal vor einer Kamera standen und zunächst überhaupt nicht wussten, was sie dort eigentlich machen sollten.

Dabei habe ich gelernt, wie sehr Kleinigkeiten die Wirkung eines Porträts verändern können.

Eine andere Körperhaltung, eine leichte Drehung des Kopfes, ein veränderter Blick oder einfach ein Satz im richtigen Moment. Oft braucht es erstaunlich wenig, um aus einer zunächst etwas steifen Situation ein lebendiges Bild entstehen zu lassen.

Genau darum ging es in Nürnberg.

Die Teilnehmer sollten selbst erleben, wie ihre Kommunikation die Menschen vor der Kamera beeinflusst. Wie viel Sicherheit eine klare Ansprache vermitteln kann und wie aus einer fotografischen Idee Schritt für Schritt ein Bild entsteht.

Wir haben uns mit Körpersprache, Blickführung, Nähe und Distanz beschäftigt. Mit der Frage, wie sich zwei Menschen innerhalb eines Bildes zueinander verhalten und wie wir als Fotografen durch unsere eigene Position und durch bewusste Führung eine Geschichte erzählen können.

Auch der Gedanke aus meinem ursprünglich geplanten Workshop Beyond Portraits spielte dabei eine Rolle: Ein Bild kann mehr erzählen als das, was auf den ersten Blick zu sehen ist.

Dafür muss ich allerdings erst einmal wissen, was ich überhaupt erzählen möchte.

Und dann muss ich es schaffen, die Menschen vor meiner Kamera auf diese Reise mitzunehmen.

Vier Stunden Masterclass – Challenge accepted!

Mein persönliches Ziel war durchaus sportlich. Schließlich lässt sich das Wissen aus drei Jahrzehnten Studioarbeit kaum vollständig in vier Stunden vermitteln.

Aber ich wollte möglichst viel davon greifbar machen.

Keine endlose Theoriestunde, sondern einen Workshop, bei dem das Wissen unmittelbar in die Praxis übergeht. Die Teilnehmer sollten die Unterschiede nicht nur verstehen, sondern selbst sehen, wie sich ihre Bilder verändern, sobald sie anfangen, bewusster mit den Menschen vor ihrer Kamera zu arbeiten.

Hier war es auch für mich spannend, denn in dem Moment, in dem jeder Teilnehmer seine eigenen Entscheidungen trifft, entwickelt sich die Situation in ganz unterschiedliche Richtungen.

Das macht für mich einen guten Workshop aus.

Jeder bringt seine eigene Sichtweise, seine Erfahrung und seine Vorstellung von einem gelungenen Bild mit. Meine Aufgabe ist es, Impulse zu geben, Möglichkeiten sichtbar zu machen und dort zu unterstützen, wo eine kleine Veränderung einen großen Unterschied bewirken kann.

Dass sich die Teilnehmer darauf eingelassen haben, verdient ein besonderes Dankeschön.

Denn es war durchaus Arbeit. Vier Stunden lang aufmerksam sein, mitdenken, fotografieren, kommunizieren und immer wieder die eigene Komfortzone ein kleines Stück erweitern.

Die eigentliche Überraschung kam nach dem Workshop

Inzwischen haben mir bereits drei Teilnehmer unabhängig voneinander ihre Bilder geschickt.

Wir wollen diese Aufnahmen im Nachgang noch gemeinsam besprechen. Auch das gehört für mich zu einem guten Workshop: sich die Ergebnisse mit etwas Abstand anzusehen, über die eigene Bildauswahl nachzudenken und zu verstehen, weshalb ein Bild funktioniert.

Und ich muss sagen, dass mich die ersten Ergebnisse wirklich fasziniert haben.

Gerade weil es keine vorgefertigten Sets gab, entstehen sehr unterschiedliche Bildsprachen. Jeder hat sich mit denselben grundlegenden Möglichkeiten beschäftigt und doch seinen eigenen Weg gefunden.

Für mich ist das eigentlich die schönste Bestätigung dessen, was ich mit diesem Workshop erreichen wollte.

Es ging darum, ein Verständnis für die Entstehung eines Bildes zu entwickeln und anschließend selbst Entscheidungen treffen zu können.

Denn am Ende soll ein Teilnehmer nicht nur mit ein paar schönen Aufnahmen nach Hause gehen, sondern mit dem Wissen, wie er auch bei seinem nächsten Shooting, mit anderen Menschen und unter völlig anderen Bedingungen zu eigenen Ergebnissen kommt.

Einige dieser Bilder möchte ich hier im Blog zeigen. Natürlich mit dem entsprechenden Bildnachweis der Fotografen, die sie aufgenommen haben.

Ich finde, genau diese Ergebnisse erzählen die Geschichte unseres Workshops am besten.

( noch etwas Geduld, ich warte noch auf ein paar Bilder der Teilnehmer, dann gibte es mehr zu sehen )

Drei Models, viele Perspektiven und ein großes Dankeschön

Ein besonderer Dank gilt natürlich unseren drei Models, die sich an diesem Freitag auf ein durchaus ungewöhnliches Workshopkonzept eingelassen haben.

Denn auch für sie war das keine gewöhnliche Fotosession. Immer wieder neue Fotografen, unterschiedliche Ideen, neue Anweisungen und vier Stunden konzentrierte Zusammenarbeit. Dafür braucht es Offenheit, Geduld und vor allem die Bereitschaft, sich auf die Menschen hinter der Kamera einzulassen.

Genau das hat wunderbar funktioniert.

Mein größtes Dankeschön geht allerdings an die Teilnehmer meines Workshops. Ihr habt euch auf ein Konzept eingelassen, das euch einiges abverlangt hat. Ihr musstet selbst aktiv werden, eigene Ideen entwickeln, mit den Models kommunizieren und eure Bilder tatsächlich erarbeiten.

Und wenn ich mir die ersten Ergebnisse anschaue, dann bin ich ziemlich sicher, dass sich diese vier Stunden gelohnt haben.

Ein herzliches Dankeschön geht auch an Sticky!, die sich um die Organisation der Workshops gekümmert und mit ihrem Engagement dafür gesorgt hat, dass alles so wunderbar funktioniert hat. Gerade bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung steckt hinter den Kulissen eine Menge Arbeit, die Besucher und Teilnehmer oft gar nicht mitbekommen.

Umso schöner, wenn am Ende alles ineinandergreift und man sich als Referent ganz auf das konzentrieren kann, weshalb man eigentlich gekommen ist: Menschen für die Fotografie begeistern und Erfahrungen weitergeben.

Imaging World – ein bisschen Photokina-Gefühl

Die Imaging World 2026 war für mich auch deshalb interessant, weil sie Erinnerungen an eine Zeit geweckt hat, in der die Photokina in Köln für viele Fotografen ein fester Termin im Kalender war.

Natürlich spielt die Imaging World noch in einer anderen Größenordnung. Aber Größe ist schließlich nicht alles.

Entscheidend ist für mich der Gedanke dahinter: Menschen zusammenzubringen, die sich für Bilder begeistern. Fotografen, Hersteller, Referenten und Besucher, die sich austauschen, Neues entdecken, gemeinsam fotografieren und sich gegenseitig inspirieren.

Und genau diesen Geist habe ich in Nürnberg wiedergefunden.

Wenn die Imaging World im kommenden Jahr nach Köln kommt, schließt sich damit auf eine gewisse Weise ein Kreis. Die Stadt, die über Jahrzehnte für viele von uns eng mit der Photokina verbunden war, wird wieder zum Treffpunkt für Menschen, die Bilder lieben.

Ich würde mich freuen, auch dort wieder als Referent dabei zu sein. Ideen für neue Workshopkonzepte habe ich jedenfalls schon einige im Kopf.

Vielleicht wird es ja wieder etwas, bei dem die Teilnehmer zunächst ein wenig überrascht sind, wie viel Arbeit in einem guten Bild steckt.

Was von vier Stunden bleibt

Am Ende dieses Workshops ist für mich vor allem eines geblieben: die Freude darüber, wie unterschiedlich Menschen an dieselbe fotografische Aufgabe herangehen und was entsteht, wenn sie anfangen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.

30 Jahre Studioerfahrung passen natürlich nicht vollständig in vier Stunden.

Aber wenn die Teilnehmer künftig bei einem Porträtshooting ein wenig bewusster kommunizieren, genauer beobachten, sich stärker auf ihr Gegenüber einlassen und verstehen, dass ein wirklich gutes Bild lange vor dem Drücken des Auslösers entsteht, dann haben wir an diesem Freitag ziemlich viel erreicht.

Und die ersten Bilder, die ich inzwischen gesehen habe, machen mir jedenfalls große Lust auf die nächsten gemeinsamen fotografischen Abenteuer.

Danke an alle, die dabei waren. Wir sehen uns hoffentlich wieder – irgendwo zwischen Kamera, Menschen und einer guten Geschichte.

Gordon Below | Indien-Jones