Mit der offiziellen Begrüßung begann Honda Adventure Roads 2026 eigentlich erst richtig.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmer ihre Zimmer bezogen, die Packtaschen übernommen und zum ersten Mal die Motorräder vor dem Hotel gesehen. Doch jetzt führte der Weg hinüber zum Kloster von Mon Sant Benet.

Durch alte Mauern und stille Gänge gelangte man in den Garten der historischen Anlage. Zwischen den Bäumen standen Stuhlreihen, ein Bildschirm war aufgebaut und rote Honda-Fahnen säumten den Weg. Ein Empfang wartete bereits auf die Gäste.

Für einen Moment fühlte sich alles erstaunlich vertraut an. Wie eine freie Trauung. Die roten Honda-Fahnen mit weißer Schrift ersetzten den roten Teppich. Statt Brautpaar und Gästen standen hier Motorräder und Abenteurer im Mittelpunkt.

Die Gäste kamen zusammen, prosteten sich zu, stellten sich vor und tauschten die ersten Geschichten aus. Aus Fremden wurden langsam Reisegefährten.

Und irgendwo im Hintergrund warteten die eigentlichen Hauptdarsteller dieses Wochenendes. Die Transalps.

Während der offiziellen Begrüßung wurden Strecke, Sicherheitskonzept und Navigationssystem erklärt. Die Marshals wurden vorgestellt, die Techniker, die Organisatoren und all jene Menschen, die dafür sorgen würden, dass aus einer Motorradtour ein Abenteuer wird.

Mit jeder Minute wuchs das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Anschließend führte der Weg zurück zu den Motorrädern. Jetzt wurde es persönlich.

Das Navigationssystem wurde eingerichtet, letzte Einstellungen vorgenommen und jeder lernte die Maschine kennen, die ihn in den kommenden Tagen begleiten würde.

Fast wie ein symbolischer Ringtausch.

Ab diesem Moment gehörte jede Transalp seinem Fahrer.

Oder vielleicht war es auch umgekehrt.

Als die Sonne hinter den Mauern des Klosters verschwand, versammelte sich die Gruppe erneut. Auf der anderen Seite der Anlage warteten weiß gedeckte Tische, Lichterketten tauchten die historischen Mauern in warmes Licht und ein gemeinsames Abendessen bildete den feierlichen Abschluss des Tages.

Eigentlich hätte man noch lange sitzen können.

Doch unter den Gästen war eine spürbare Spannung.

Nicht weil jemand nach Hause wollte, sondern weil alle endlich fahren wollten.

Man hörte es in den Gesprächen, sah es in den Blicken. Vorfreude!

Jeder hoffte insgeheim, dass die Nacht möglichst schnell vergehen würde, denn am Morgen würde die eigentliche Reise beginnen.

Kennen und lieben lernen

Der nächste Tag begann überraschend ruhig.

Keine Aufregung, kein Spektakel.

Nur Neugier.

Mich beschäftigte vor allem eine Frage: Wie würde sich die neue Honda E-Clutch im Gelände anfühlen? Zuhause fahre ich eine Africa Twin mit DCT. Ich schätze die Automatik und das entspannte Fahren. Gleichzeitig steht auch ein klassisches Schaltmotorrad in der Garage.

Die Transalp mit E-Clutch lag genau dazwischen.

Kurz nach dem Frühstück erwachte der Parkplatz zum Leben. Helme wurden geschlossen, Jacken zurechtgezogen, Motoren gestartet.

Dann ging es los.

Wenige Minuten später verließen die ersten Gruppen das Kloster und tauchten in die Landschaft Kataloniens ein.

Schon nach den ersten Kilometern wurde klar, dass die Streckenplaner ganze Arbeit geleistet hatten.

Die Route führte über kleine Straßen, durch Wälder, über Hügel und durch Landschaften, die man normalerweise nur entdeckt, wenn man bewusst die großen Straßen meidet.

Das Nasser Camp markierte den ersten großen Höhepunkt des Tages.

Hier warteten die Instruktoren auf uns.

Tosha Schareina – Dakar-Profi und einer der bekanntesten Rallye-Piloten Spaniens und Kirian Mirabet – mehrfacher spanischer Offroad- und Adventure-Rider.

Bremsen auf losem Untergrund, Slalom, Kurven im Sand, Auffahrten, Gefälle und unterschiedliche Offroad-Situationen standen auf dem Programm.

Es ging nicht darum, Grenzen auszutesten.

Es ging darum, Sicherheit aufzubauen. Und genau das funktionierte erstaunlich schnell. Mit jeder Übung verschwand ein weiteres Fragezeichen.

Besonders die E-Clutch überraschte mich. Ich konnte selbst schalten und gleichzeitig beide Hände jederzeit sicher am Lenker behalten. In schwierigen Passagen genügte ein kurzer Impuls am Schalthebel. Das Motorrad erledigte den Rest.

Einfach fahren.

Vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis des Tages: Vertrauen! In die Technik, in die eigenen Fähigkeiten und in das, was noch vor uns lag.

Das satte Grün des Frühsommers lag über den Bergen. Sonnenlicht wanderte durch die Baumkronen und malte ständig neue Muster auf Asphalt und Schotter. Die Strecke führte über schmale Wege, durch schattige Wälder und immer wieder zu Aussichtspunkten, die den Blick weit über die Pyrenäen öffneten.

Genau dort fühle ich mich zuhause. Manchmal hatte ich das Gefühl, völlig allein unterwegs zu sein. Allein mit dem Motorrad. Allein mit der Landschaft. Allein mit dem nächsten Kilometer.

Dann tauchte wieder ein anderer Fahrer auf. Man fuhr ein paar Kurven gemeinsam, nickte sich zu und verschwand erneut im eigenen Rhythmus.

Freiheit und Gemeinschaft.

Beides war den ganzen Tag präsent.

Zwischendurch stand plötzlich ein Fotograf am Streckenrand. Hinter der nächsten Kurve wartete das Videoteam. An anderer Stelle kreiste eine Drohne über der Gruppe.

Für einen kurzen Moment fühlte man sich tatsächlich wie Teil von etwas Besonderem.

Einer von dreißig Fahrern, die dieses Abenteuer erleben durften.

Am Nachmittag legte die Landschaft noch einmal nach. Die Wege wurden länger, die Ausblicke weiter. Waldwege schlängelten sich zwischen Baumwurzeln hindurch, Schotterpisten zogen sich an Berghängen entlang und hinter jeder Kuppe wartete das nächste Panorama über die grünen Pyrenäen.

Irgendwann bemerkte ich dieses Grinsen unter dem Helm.

Dieses breite Grinsen, das Motorradfahrer kennen.

Wenn alles zusammenpasst.

Wenn die Räder über Schotter und Geröll tanzen.

Wenn das Motorrad plötzlich leicht wirkt. Fast schwerelos. Oder vielleicht man selbst.

Als wir am Abend das Tagesziel erreichten, lagen rund 230 Kilometer hinter uns.

Staub auf den Stiefeln, Bilder im Kopf und das sichere Gefühl, dass dies erst der Anfang war.

Dort, wo die Bergziegen wohnen

Am zweiten Tag war endgültig Schluss mit dem Kennenlernen.

Gestern hatten wir Sicherheit aufgebaut. Heute wurde geprüft, wie tragfähig dieses Fundament wirklich war.

Schon die ersten Kilometer machten deutlich, dass die Organisatoren die Schwierigkeit spürbar angehoben hatten. Die Schotterwege des Vortags waren verschwunden. Stattdessen warteten Strecken, die aussahen, als würden sie normalerweise eher von Bergziegen als von Motorrädern benutzt.

Tiefe Rinnen zogen sich durch den Untergrund. Große Felsbrocken lagen auf den Wegen. Steinplatten bildeten natürliche Stufen. Immer wieder führten die Pisten über ausgesetzte Grate, vorbei an steilen Hängen und tiefen Tälern.

Genau hier zeigte sich, wie viel man bereits am ersten Tag gelernt hatte.

Die Honda Transalp arbeitete sich unbeirrt durch Geröll, lose Steine und ausgefahrene Passagen. Über Technik dachte inzwischen kaum noch jemand nach. Der Fokus lag längst auf der Strecke, den Bergen und der nächsten Kurve.

Die Landschaft wurde dabei immer spektakulärer.

Die Route führte über abgelegene Pässe und durch Regionen der Pyrenäen, die kaum jemand zu Gesicht bekommt. Links und rechts öffneten sich tiefe Täler. Dahinter reihten sich Bergketten aneinander, bis sie am Horizont im Dunst verschwanden.

Es waren jene Momente, in denen man gleichzeitig voller Konzentration und voller Ehrfurcht unterwegs ist.

Adventure Roads ist Abenteuer.

Aber Abenteuer bedeutet auch Verantwortung und das wurde an diesem Tag besonders deutlich.

Auf einer der anspruchsvollsten Passagen erwischte es eine Teilnehmerin. Das Motorrad stürzte, Staub wirbelte auf und schnell wurde klar, dass sie sich den Mittelfuß gebrochen hatte.

Für einen Moment wurde es still. Man sah sie am Wegesrand sitzen, das Motorrad daneben im Staub.

Es war einer jener Augenblicke, die allen noch einmal bewusst machten, dass man sich hier in echtem Gelände bewegte.

Und doch geschah etwas Bemerkenswertes. Nach dem ersten Schreck kehrte das Lächeln zurück.

War es das Adrenalin? Vielleicht die besondere Stimmung innerhalb der Gruppe? Vielleicht beides.

Als sie am Abend mit Gipsverband zum gemeinsamen Essen erschien, wurde sie gefeiert wie ein Rockstar.

Nicht wegen des Unfalls. Sondern weil sie gezeigt hatte, was diese Veranstaltung ausmacht.

Zusammenhalt.

Inzwischen waren aus vielen Fremden längst Freunde geworden.

Man kannte die Geschichten hinter den Helmen. Wusste, wer aus Belgien kam, wer aus England angereist war und wer zuhause ebenfalls jede freie Minute auf zwei Rädern verbringt.

Die Motorräder hatten uns zusammengebracht. Die gemeinsamen Erlebnisse verbanden uns.

Als wir am Abend im Camp ankamen, waren die Gespräche länger als am Vortag.

Die Gruppe war angekommen. Nicht nur am Ziel des Tages.

Die letzten Kilometer

Der dritte Morgen startete mit dem Wissen, dass nur noch eine halbe Etappe vor uns lag.

Niemand sprach viel darüber, aber jeder wusste es. Ein letztes gemeinsames Frühstück, ein letztes Briefing, ein letztes Mal den Helm schließen.

Die Strecke führte durch die Pyrenäen in Richtung Montrejeau, dorthin, wo für viele Teilnehmer die Reise enden sollte.

Der letzte Fahrtag begann anders als die beiden vorherigen.

Nicht die Offroad-Passagen standen jetzt im Mittelpunkt, sondern die Rückkehr in die normale Welt.

Die Route führte zunehmend über öffentliche Straßen durch Frankreich. Die spektakulären Schotterpisten und Gebirgspassagen der vergangenen Tage lagen hinter uns. Stattdessen warteten enge Landstraßen, kleine Ortschaften und alles, was ein sonniger Sonntag im Frühsommer mit sich bringt.

Wohnmobile bewegten sich gemächlich durch die Berge. Ausflügler genossen das Wochenende. An Kreuzungen und Einmündungen musste man plötzlich wieder für andere Verkehrsteilnehmer mitdenken.

Dazu kamen Temperaturen von deutlich über 30 Grad.

An manchen Stellen hatte die Hitze den Straßenbelag bereits weich werden lassen. Frisch ausgebesserte Abschnitte waren mit losem Splitt abgestreut worden, der sich teilweise wie Schmierseife anfühlte.

Die Herausforderung bestand nicht mehr darin, ein Motorrad über Geröll und Felsstufen zu bewegen.

Jetzt ging es darum, die Konzentration hochzuhalten und die vielen kleinen Unwägbarkeiten des normalen Straßenverkehrs einzuschätzen.

Vielleicht war genau das die eigentliche Prüfung des letzten Tages.

Nicht spektakulär.

Aber fordernd.

Und während ich durch die Pyrenäen rollte, wurde mir bewusst, wie angenehm es war, dass nur noch eine halbe Etappe vor uns lag. Einen ganzen Tag unter diesen Bedingungen zu fahren, hätte deutlich mehr Kraft gekostet als viele der Offroad-Passagen zuvor.

Trotzdem genoss ich jeden einzelnen Kilometer.

Es waren keine Kilometer mehr, die man abhakte.

Es waren Kilometer, die man bewusst wahrnahm.

Jede Kurve, jeder Blick in die Ferne und jeden kurze Moment, in dem das Motorrad noch einmal über den Asphalt tanzte.

Am Ziel wartete ein Ort, den ich bereits kannte.

Ein paar Tage zuvor hatte ich hier mit Norbert gesessen. Damals lag Nebel über dem Wasser. Die Berge waren nur schemenhaft zu erkennen gewesen.

Jetzt zeigte sich dieselbe Kulisse in strahlendem Sonnenschein.

Der See glitzerte.

Die Pyrenäen standen klar am Horizont.

Ein würdiger Schlusspunkt.

Nach den letzten Metern wurden die Motorräder abgestellt. Taschen wanderten von den Maschinen zurück in die Gepäckwagen. Fahrer standen noch einmal neben ihren Motorrädern, machten Fotos und schauten auf Reifen, die inzwischen deutlich mehr Geschichten erzählen konnten als noch drei Tage zuvor.

Nick Bennett stand am Ziel. Es wurde abgeklatscht, gelacht und gratuliert. Man spürte diese besondere Mischung aus Stolz, Erleichterung und dem Wunsch, die gemeinsame Zeit noch ein wenig zu verlängern.

Ich nahm mir noch einen Moment für ein letztes Foto.

Dann begann die Rückreise.

Für mich wartete bereits die Africa Twin. Wohlbehalten transportiert und bereit für die Heimfahrt.

Zurück am Hotel verlud ich das Motorrad auf den Anhänger. Die Temperaturen lagen inzwischen bei über 37 Grad. So sehr mich eine weitere Runde durch die Berge gereizt hätte – an diesem Tag gewann die Vernunft. Die Klimaanlage des Autos versprach deutlich mehr Komfort als ein weiterer Nachmittag in voller Montur.

Bevor ich endgültig aufbrach, gab es jedoch noch einen kleinen Umweg.

Auf meiner Anreise hatte ich einen Ort entdeckt, der damals im Nebel gelegen hatte. Eine alte Kirche auf einem Aussichtspunkt über den Bergen.

Nun schien die Sonne.

Zum ersten Mal konnte ich durch die schmalen Gassen gehen, die Kirche betreten und die Aussicht wirklich sehen.

Vielleicht war das der eigentliche Abschluss dieser Reise. Ein ruhiger Moment zwischen alten Mauern und weitem Blick über die Berge, der Raum ließ, all das noch einmal wirken zu lassen. Die Begegnungen, die gemeinsamen Erlebnisse, die Landschaften und die vielen kleinen Geschichten fügten sich plötzlich zu einem Ganzen zusammen.

Am Abend saß ich noch einmal bei einer Pizza und einem kühlen Bier in einer Stadt, die mir wenige Tage zuvor völlig fremd gewesen war. Jetzt fühlte sie sich fast vertraut an.

Am nächsten Morgen verzichtete ich bewusst auf weitere Umwege. Keine zusätzliche Passstraße, auch kein weiteres Abenteuer.

Manchmal ist der richtige Moment zum Weiterfahren auch der richtige Moment zum Heimkehren.

1300 Kilometer lagen vor mir.

Fünfzehn Stunden später stand ich wieder zuhause.

Mit Staub auf den Stiefeln, Bildern im Kopf und dem Gefühl, dass manche Reisen noch lange weitergehen, obwohl man längst wieder angekommen ist.

Alle Bilder, von der Anreise bis zur Heimfahrt findest du hier